Ankershofen Regesten Kärnten 84
Gottlieb Freiherr von Ankershofen, Urkunden-Regesten zur Geschichte Kärntens. In: Archiv für österreichische Geschichte 1 (1848), S. 37.
84. Um 1000. Die Frau Wichburg Wittwe des sel. Grafen Ottwin stiftete auf ihrem eigenthümlichen Grunde zu St. Georgen (am Längsee) mit Einstimmung ihrer Söhne und aus eigenem Vermögen ein Nonnenkloster und übergab selbes dem Schutze des heiligen Peter und Rudbert zu Handen ihres Bruders des Erzbischofs Hartwig von Salzburg und der Nachfolger desselben mit dem Anhange, dass, wenn ein Erzbischof von Salzburg die Nonnen vertreiben und das Kloster zu seinem Vortheile einziehen würde, die Erben Wichburgs das Recht haben sollten, das Kloster mit fünf Geldstücken loszukaufen. Die Nonnen sollen auch das Recht haben, sich ihre Aebtissin und ihren Vogt zu wählen mit Genehmigung des Erzbischofes.
Zeugen dieser Uebergabe waren, und zwar nach bairischer Sitte (tracti per aures): Friedrich, Papo, Hartnid, Adalbero, Aripo, Lanzo, Hartwich, Raffolt. Nach slavischer Sitte (slavenicae institutionis): Hartwich, Chezili, Penno, Johann, Egizi, Sizo, Reginprecht, Arno, Wolfram, Zimizi, Geppo, Czecho, Vitislau, Wolfhart, Sigihart.
Bei der Weihe der Kirche von St. Georgen dotirten Wichburg und ihre Tochter Perchkunt in Gegenwart von Geistlichen und Laien, Adelichen, Unadelichen und Geringena), und in Gegenwart des Erzbischofs Hartwig die genannte Kirche. Wichburg gab ihr ganzes im Jaunthaleb) angekauftes Gut, dann mit Ausnahme des vierten Theiles ihr Gutc) in Preuuara (Prjire unter Karlsberg) sammt den Eigenleuten; endlich auch acht Eigenleute Stoidrog, Heinrich, Gotepolt, Rathilt, Rathilt und Hiltipurch mit ihren zwei Töchtern. Perchunt gab ihre von ihrer Mutter und ihren Brüdern im Jaunthaled) erhaltene Besitzung sammt allen dort befindlichen Eigenleuten, mit Ausnahm von vier Mansen und vier Eigenleuten, welche erst nach dem Tode der gegenwärtigen Besitzer der Kirche von St. Georgen anheimfallen sollen.
Zeugen waren hier nach bairischer Art (tracti per aures): Engelbert, Razo, Papo, Wolvolt, Vuisili, Ozi, Sizo, Egilolf, Reginolt, Faico, Lanzo, Oribo, Uuizili, Penno, Selprarth, Liutpolt, Chezil, Linzo, Gerolt, Sizili, Anzo, Diethmar. Zeugen von slavischer Abkunft (testes slavigene) waren: Chazili, Amizi, Orthuvin, Adam, Lanzo, Gam, Laduta.
Mit der Weihe ertheilte der Erzbischof Hartwig dem Kloster zugleich die geistlichen Rechte, gab demselben die einhellig gewählte Hiltpurg, eine Tochter der Wichburg, zur Aebtissinn und verkündete in feierlicher Versammlung das Wahlrecht der Nonnen mit der gewöhnlichen Fluche gegen die, welche dem Kloster etwas zu entziehen und selbes zu zerstören suchen würden.
Orig. Urkunde von St. Georgen. Archiv f. G. u. s. w. 1818. S. 607. Beit. z. Lös. der Preisfr. u. s. w. l. S. 187.
Anmerkungen
a) Astantibus clericis ac laicis, nobilibus, ignobilibus et mediocribus. Mediocres hier wohl in der oben angegebenen Bedeutung (Du Cange Gloss. v, Homo, III. p. 687. Edit. Henschel).
b) Praedium-quod-in sua habuit potestate in loco, qui dicitur preuuara cum communi omnium Slavica lege.
c) In provincia Juna.
d) In eadem provincia.