Ankershofen Regesten Kärnten 53
Gottlieb Freiherr von Ankershofen, Urkunden-Regesten zur Geschichte Kärntens. In: Archiv für österreichische Geschichte 1 (1848), S. 26.
53. 8. Februar 978. K. Otto II. schenkt auf Fürbitte des Bischofs Albuin von Seben und Brixen der Kirche des heiligen Ingenuin den Hof Ribnizac) im Lande Karantanien (in provincia Karantana) unter Verwaltung des Vualpoto Hartwig und in der Dekanie Perchtold’s.d) Der Hof wurde von dem des Hochverrathes schuldig erkannten Ascuin verwirkt, und wurde nun von Ascuins Mutter Kunigund besessen. Erst nach dem Tode Kunigunds soll Ribniza der Kirche von Brixen zufallen.e)
Data VI. Idus Februarii anno dominice incarn. DCCCCLXXVIII.
(Resch. Ann. Sabion. III. p. 632. n. II. Kärnt. Zeitsch. III. pag. 204. Archiv. f. G. 1819. S. 608. n. XXXV.
Anmerkungen
c) Reifnitz ober dem linken Ufer des Werthersees.
d) Ribniza, quae sita es in provincia Karantana in regimine Hartwic Vualtpotonis et tegneja Perchtoldi.
e) Vualpoto oder Waltpoto oder Walpote ein gehörig begwalteter Sendbote (Haltans Gloss. col. 2022). Daher bezeichnete dieser Name einen königlichen Sendboten und später einen an die Stelle der Sendboten getretenen Pfalzgrafen. Später führten diese Namen auch Bevollmächtigte anderer Fürsten und Herren. (Grimm. d. Rechtsalterthümer I. Seite 276.) Einen mit Waldgraf oder Waldvogt identischen Waldboten (Haltaus a. a. O. col. 2019) anzunehmen, dürften wenigstens im vorliegenden Falle die in der Urkunde angedeuteten Umstände nicht gestatten. Auch Huschberg nimmt in seiner Geschichte des Hauses Scheyern – Wittelsbach S. 189 das Wort Vualtbote für identisch mit Gewaltbote. Der Vualpoto Hartwig ist aber wohl derselbe Pfalzgraf Hartwig, dessen bei mehreren spätern Vergehungen kaiserlicher Güter, deren oberste Verwaltung dem Pfalzgrafen zukam (Eichhorn d. Rechtsgeschichte S. 222) erwähnt wird. –
Das tegneja erklärt schon Resch a. a. O. S. 633. n. 598 mit districtus, jurisdictio. Dagegen halten Nagel (notitiae origines domus Boicae illustrantes p. 234, bei Huschberg a. a. O.) und Hormayr Bezeichnung der Gegend Teichen, die im Bezirke Ossiach, aber nicht am Ossiacher See liegt, sondern von diesem durch die Görlitzalpe getrennt ist. Das Irrige dieser Annahme haben bereits Eichhorn und Huschberg a. d. a. O. gezeigt, und Letzterer hat richtig bemerkt, dass tegneja gleichbedeutend mit dem lateinischen ministerium ist. (Vergl. du Cange gloss. v. Thainus.) Specieller dürfte jedoch hier tegneja mit der Dekanie gegeben werden. – Berthold war ein Bruder Ascuin’s und der Dritte dieses Namens im Geschlechte der Scheyern. Sieh’ oben Nr. XLIV n. a. Ueber Ascuin’s Vater Berthold siehe oben Nr. XLIV n. a. Ascuin wurde legum definitione imperialis Majestatis reus totiusque populi judicio perpetualiter damnatus vita lege prediisque omnibus privatus.