Ankershofen Regesten Kärnten 4

Aus Quellen Alpen-Adria

Gottlieb Freiherr von Ankershofen, Urkunden-Regesten zur Geschichte Kärntens. In: Archiv für österreichische Geschichte 1 (1848), S. 5.



4. 5. Februar 816. An demselben Tage bestätigte K. Ludwig d. F. über die Bitte des Erzbischofs Arno der Salzburger Kirche die von K. Karl dem Grossen ertheilte Immunität. Kein königlicher Richter und sonstiger Beamter soll auf den Gütern der Salzburger Kirche, die sie besitzt und künftig erwirbt, oder gegen die auf solchen Gütern sitzenden Leute Freie und Eigenleute sich eine Amtshandlung erlauben.a) Nur den Befehlen des Königs soll treu gehorcht werden.

Data nonas Februarii anno Christo propicio tertio imperii domni Loudewici piissimi Augusti. Indictione VIIII. Anhang zur Juvavia S. 65.

Anmerkungen

a) nullus judex publicus vel quilibet ex judiciaria potestate in ecclesias aut loca vel agros, seu reliquas possessiones memorate ecclesie, quas moderno tempore in quibuslibet pagis vel territoriis infra dicionem imperii nostri juste et legaliter possidet, vel que deinceps in jure ipsius sancti loci voluerit divina pietas augeri ad causas audiendas, vel freda aut tributa exigenda aut mansiones vel paratas faciendas, aut fidejussores tollendos, aut homines ipsius ecclesie tam ingenuos, quam et servos super terram ipsius commanentes injuste distringendos, nec ullas redibiciones aut illicitas occasiones requirendas nostris aut futuris temporibus ingredi audeat; que supra memorata sunt penitus exigere praesumat, sed licet memorato praesuli suisque successoribus res praedictae ecclesie sub immunitatis nostre defensione quieto ordine possidere et b) nostrofideliter parere praecepto. Da den Erzbischöfen als Grundherren das Recht zustand, die auf ihren Gütern ansässigen Leute, ihre Hintersassen, Freie und Eigenleute, vor dem ordentlichen Richter zu vertreten, so durfte dieser diese Hintersassen weder vorladen, noch von ihnen unmittelbar Gerichtsfälle einheben (–ad causas audiendas vel freda exigenda). Was aus den Kirchengütern früher der Fiskus bezog, bezog nun die Kirche, und die Leistungen, welche der König früher forderte, die Herberge, Vorspann (mansiones vel paratas faciendas) und andere gemeine Dienste, hatten die Hintersassen nun dem Bischofe zu leisten, und wenn dieser von dem Könige unmittelbar durch einen Befehl (nostro fideliter parere praecepto) aufgefordert wurde, solche Leistungen auf seine Güter zu übernehmen, so wurde das Nöthige hiezu nicht von den königl. Beamten, sondern durch die Unterbeamten des Bischofes verfügt. (Eichhorn’s deutsche Staats- und Rechtsgesch. fünfte Auflage. I. S. 681.)